Missio-Truck hält an der Loburg

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"Irgendwie....ganz schön extrem." Nicole muss nach den richtigen Worten suchen, nachdem sie den Flüchtlingstruck des katholischen Hilfswerks missio verlassen hat.

 

In ihm kann man sich in die Rolle eines fliehenden Menschen versetzen, Flucht hautnah miterleben. "Da wird einem erst klar, was im Leben wichtig ist und wie schnell man falsche Entscheidungen treffen kann", stimmt Chiara zu. Für einen kurzen Moment ist ihnen an diesem 16. März der Schulalltag in Deutschland ziemlich unwichtig.

 

Die Mädchen sind Schülerinnen der neunten Klasse des Gymnasiums Johanneum (Loburg) in Ostbevern. Obwohl weder sie noch ihre Klassenkameraden zum ersten Mal vom Thema Flucht hören, ist es dieses Mal ganz anders, extremer und näher. Und sie fangen an, darüber nachzudenken.

 

"Was können wir tun?", fragt missio-Mitarbeiter Tété Agbodan ganz direkt. Dabei geht es nicht unbedingt um Flüchtlingsarbeit in Deutschland oder eine Lösung für den Konflikt in Syrien. Es geht um einen Ort, den die meisten Menschen nicht im Sinn haben, wenn sie von Geflüchteten sprechen: Die Demokratische Republik Kongo. Ursprünglich eine belgische Kolonie, war das Land schon immer reich an Rohstoffen – Rohstoffe, die auf der ganzen Welt gebraucht werden. Das greifbarste Beispiel: Handys, deren Bestandteil Coltan im Kongo abgebaut wird. Mit dem wertvollen Erz werden inzwischen Geschäfte gemacht, die den jahrelangen, brutalen Bürgerkrieg finanzieren, der das Land wirtschaftlich schwächt. Die Kongolesen arbeiten seit Jahren, ohne zu verdienen, fürchten um ihr Leben und sehen immer weniger Perspektiven in ihrem Land; 2,7 Millionen sind auf der Flucht.

 

Bessere, faire und legale Arbeitsbedingungen würden helfen – und da kommt missio ins Spiel. Tété Agbodan klärt die Schüler über nachhaltige Alternativen auf: das Handy länger nutzen, das alte Modell (zum Beispiel bei missio) recyceln oder das Fairphone nutzen. In den Niederlanden hergestellt, besteht es nur aus Rohstoffen, die unter legalen und fairen Bedingungen abgebaut sind. 530 Euro kostet es und wird nur bei Bedarf produziert Allerdings ist es noch nicht bekannt genug.

 

Dass die so verursachte Flucht keine bequeme Flugreise mit großzügig gepackten Koffern ist, das lernen die Schülerinnen und Schüler im missio-Truck. In sechs Räumen werden sie mit Hilfe einer fiktiven Biographie-Karte zum Flüchtling, müssen in interaktiven "serious games" entscheiden, ob sie Essen oder ihre Papiere mitnehmen, müssen ihre Familie zurücklassen und lernen, wie sie sich eine neue Existenz aufbauen. Untermalt ist die Flucht von Schüssen und virtuellen Panzern, die das Versteck umkreisen.

 

Der Truck ist bereits seit 2012 in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs. Vor allem Schulen haben großes Interesse, einen der begehrten Termine zu ergattern. "missio hat tolle Materialien, um das Thema auch danach noch in den Unterricht einzubauen", lobt Religions- und Deutschlehrer Raphael Flothkötter, "beim Thema ,Exodus‘ kann man es einbinden, aber auch bei ,Eine Welt‘. Natürlich führt es nicht zur Lösung allen Übels, aber es macht die Schüler einfach sensibel für ein so wichtiges Thema." Und das missio eine sehr reale Fluchtsituation geschaffen hat, das bestätigt ein Mitschüler von Chiara und Nicole: Omid ist vor einem Jahr selbst geflohen, vor dem Krieg in Afghanistan: "Es war genauso! Ganz genauso! Aber jetzt ist es okay für mich, es nochmal zu sehen."

 

 

Text: Bischöfliche Pressestelle / 17.03.17
Kontakt: Pressestelle@bistum-muenster.de
Fotos: Saskia Tietz / Bischöfliche Pressestelle

 

 

 

 

   

 

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