Geschichte

 

Tag der offenen Tür, 1962

 


Die abwechslungsreiche Geschichte der Loburg beginnt bereits im Mittelalter und reicht vom Schulzenhof über Ritterburg und Schloss bis hin zum Internats- und Schulgebäude

 

  Der Schulze oder Schultheiß (scultetus) entwickelt sich seit der karolingischen Zeit zum Vorsteher einer Dorfschaft, zum rechtsprechenden Gemeindevorsteher. Er verwaltet einen Hof oder ein Dorf für seinen Dienstherrn, dem er zu Abgaben verpflichtet ist.
   

 

1294

 

Die Loburg wird zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Sie ist im Besitz der Schulzen von "Lohove".



1412

 

  „Der […] Adelssitz liegt im Nordosten, allerdings wird er von keinem Fluss umspült. Wenn man von der Vorderseite an die Burg herangeht, liegt sie offen da, nur durch einen dreifach Graben geschützt; wenn man von der Hinterseite kommt, durch einen einfachen Graben […] Um die Burg stehen riesige Bäume, die der Burg den Blick entziehen, wenn man nicht näher herangeht. Das Ackerland, das auf allen Seiten die Burg umgibt, ist teils lehmig, teils sandig, aber sehr ertragreich bei Anbau von Weizen, Hafer, Gerste und jenes braunen Korns.“ [1]
   

Eine Urkunde nennt das "castrum Johannes de Beveren", d.h. aus dem Schulzenhof wird eine Ritterburg mit befestigtem Herrenhaus, umgeben von einer teilweise bis zu 20 Meter breiten Gräfte. Die Besitzer haben Sitz und Stimme in der landständischen Versammlung des Fürstbischofs von Münster.
 

Doch im Laufe der Jahrhunderte verfällt die Wasserburg. Josef Marsil Wilhelm Xaver von Nagel zur Loburg und seine Ehefrau Maria befassen sich daher mit der Neuplanung eines Barockschlosses.

 


1760

 

  Bis heute hat sich in Erinnerung an diese Zeit ein „Rittersaal“ im Schloss erhalten
   

Die reparaturbedürftige Burg wird abgerissen. Nach Plänen von Konrad Schlaun entsteht ein kleines Barockschloss mit ovalem Hofraum und breiten Gräften, über die drei Zugbrücken führen. Das Schloss selbst ist zweistöckig mit Mansardendach, hat vor der Mittelfront eine Flügeltreppe und seitlich vorspringende Risalite. Schöne Stuckarbeiten und Täfelungen im Inneren machen den kleinen Herrensitz zu einem Schmuckstück.  

 

 

 

„Loburg 1760“ von Overberg - Siegfried Schmieder: Ostbevern - Beiträge zur Geschichte und Kultur, Geschichte der Loburg, Warendorf 1988, S. 569. Lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Loburg_1760.jpg#mediaviewer/Datei:Loburg_1760.jpg

 

 


1785

 

Der Sohn des Erbauers, Johann Kaspar von Nagel, muss Schloss Loburg aus finanziellen Gründen zwangsversteigern lassen. Der Käufer ist Friedrich Clemens von Elverfeld gt. Berverfoerde zu Werries, der Ahnherr der heutigen Besitzerfamilie. So ist das an mehreren Stellen angebrachte Wappen zu erklären: elf Felder (Elverfeldt) und der Biber (Beverfoerde). [2]
 

Auch der Blickfang im Foyer erinnert an diesen Ahnherrn: Über dem aus Baumberger Sandstein gefertigten Vinnenberger Kamin mit reichverzierten Wappen ist in der Mitte das Chronodistichon zu sehen: InsIgnIa heroICa pla VIrtVtVM InDICIa (1724). [3]

 

 

1829

 

Die Flurkarte des Landvermessers Meschede gibt die frühesten Hinweise auf einen gestalteten Garten; so sind mehrere Flächen um das Schloss als „Neuer Garten“, „Alter Garten“  und „Rübengarten“ gekennzeichnet
 

Das alte Schloss Loburg, 1872, Nordseite

 

Das alte Schloss Loburg, 1872, Südseite

 

  „Ostbevern, 23 Juli. Gestern, Samstag abend 8 Uhr, entlud sich ein sehr schweres Gewitter, welches bis ½ 11 Uhr andauerte, über unser Dorf und unsere Gemeinde. Nach allen Richtungen hin durchzogen unheimlich schlängelnde Blitze die Luft. […] Da plötzlich wurde in Nordosten vom Dorf eine Rauchwolke sichtbar und meldete die Glocke Brand. Alles lief aus den Häusern und „wo brennt’s“ war die einzige Frage. „Die Loburg brennt“, lautete die Antwort. Zweimal war der Blitz in die Loburg eingeschlagen. Stärker und stärker wurden die Rauchwolken, und trotz der Bemühungen der Freuerwehr fiel das Dach des hohen Hauses ein, und es brannte alles, was nicht aus dem Hause getragen war“. [5]
   

 

1899

 

Durch Blitzschlag gerät das Schloss in Brand und wird bis auf die Grundmauern zerstört. Dem Brand fällt auch eine unveröffentlichte handgeschriebene Sonate Beethovens zum Opfer. (Die Ehefrau von Friedrich Clemens von Elverfeld gt. Berverfoerde zu Werries war in ihrer Jugendzeit Beethovens Schülerin und hatte die Handschrift mit nach Ostbevern gebracht.) [4] 

 

 

1901

 

  Die Namenspatrone der Erbauer: Karl Borromäus und Kaiserin Adelheid sind in den Fenstern der heutigen Hubertuskapelle dargestellt. Das Allianzwappen des Erbauers, sowie sein Wahlspruch "DEUS ADIUTOR ET PROTECTOR MEUS" sind im Mittelrisalits des Giebels angebracht.
   

Schon zwei Jahre nach dem Brand wird das Schloss vom Architekten Hermann Schaedler aus Hannover ersetzt. Das neubarocke Bauwerk, das sich an das Original von 1766 anlehnt, ist jedoch fast doppelt so groß: Vom ursprünglichen Schloss haben sich noch an den Zufahrten im Westen und Norden die Brücken mit vasenverzierten Torpfeilern und die viertelkreisförmigen Mauern erhalten.

 

 

1903

 

  Der damalige Schlossherr Karl Max Freiherr von Elverfeldt genannt Beverfoerde zu Werries war botanisch interessiert und war wahrscheinlich der Erste in Westfalen, der aus amerikanischen Samen gezüchtete Douglasien kultivierte.
   

Mit dem Neubau des Schlosses wird auch der Landschaftspark im englischen Stil gestaltet, der sich heute über rund vier Hektar erstreckt.

 

  Deutlich älter ist die Marienlinde in der Nähe des Parkplatzes am Schloss Loburg. Dieser Baum wird alle drei Jahre beschnitten und markierte früher einen Zwischenaufenthalt der traditionsreichen Marienwallfahrt, die von Osnabrück nach Telgte führt.
   

Ein Rundweg führt zu einer Allee aus alten Douglasien im Osten. Im Süden wird eine über 300 Meter lange Weg- und Sichtachse, die vom Schloss nach Süden zu einem langgestreckten Teich im sogenannten Eschenbusch verläuft, teilweise mit Rhododendren bepflanzt. Insgesamt ist das Gelände nach barockem Vorbild durch ein axiales Wegesystem gegliedert

 

Luftbild der Loburg, um 1920

 

 

um 1930

 

Als repräsentative Allee säumen Eichen vierreihig die Zufahrt von Ostbevern zum Schloss.

 

 

nach 1945

 

Nachdem das Schloss den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden hat, kommt es zur Zwangseinquartierung von Flüchtlingen

 

 

1951

 

  Durch den Wald des Schlossparks verläuft ein
Kreuzweg mit insgesamt 14 Stationen, die zeitgleich
mit dem Gymnasium eingerichtet wurden.
   

Das Schloss wird mit allen Nebengebäuden an das Bistum Münster verpachtet. Die freiherrliche Familie bezieht die ehemalige Rentei (Lütke Loburg). Bischof Michael Keller holt das 1948 gegründete Collegium Johanneum, ein freies katholisches Internatsgymnasium, an die Loburg. Die Vorgebäude des Schlosses werden 1973 abgerissen und durch Neubauten ersetzt, deren Form an die alten Gesindehäuser erinnert, sodass der Hofcharakter gewahrt bleibt.

 

 

Heute

 

Im Schloss sind die Internatsverwaltung, ein Selbstlernzentrum sowie Freizeit- und Speiseräume für Internat und Schule untergebracht. Neben dem Schulbetrieb wird das Schloss auch für Sommerfeste, Adventsbasare, Konzerte etc. genutzt

 

 

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Quellen und Literatur:


[1]  Schmieder, Siegfried: Ostbevern - Beiträge zur Geschichte und Kultur. Geschichte der Loburg. Warendorf 1988, S. 566-567.


[2]  Kotte, Eugen: Ostbevern: Aufsätze zur Dorfgeschichte. Ostbevern 1987, S. 35.


[3]  Schmieder, Siegfried: Ostbevern. S.575.


[4]  Vgl. Hölker, Karl: Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen. Hrsg. v. Wilhelm Rave. Münster 1936. 42. Band: Kreis Warendorf. S. 394.


[5]  Neuer Emsbote vom 25.07.1899. zitiert nach: Schmieder, Siegfried: Ostbevern. S.575.


Hoffstädt, Jürgen: Ein Park als Standortfaktor – Schloss Loburg: auf http://www.lwl.org/walb-download/pdf/Loburg_01.pdf


http://www.gaerten-in-westfalen.de/die-gaerten-parks/muensterland/schlosspark-loburg


Knemeyer, Gertrud: Erinnerungen an die Loburger Zeit von 1920 bis 1950. Münster 2012.

 

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